Wer war eigentlich Olof Palme?

Am 28. Februar 1986 wurde in der Innenstadt von Stockholm der damalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme Opfer einen Attentats und verstarb. Dieser Anschlag löste nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern Entsetzen aus und bis heute gibt es in zahlreichen Staaten Straßen, Plätze und Denkmäler, die dem schwedischen Politiker gewidmet sind. Doch wer war Olof Palme und warum wird er in Schweden so gefeiert und gleichzeitig verachtet?

Olof Palme wurde am 30. Januar 1927 in Stockholm geboren. Seine Familie galt als weltoffen und hatte Wurzeln in Schweden, Finnland, Lettland, Deutschland und den Niederlanden. Seine Mutter, Elisabeth von Knieriem (1890–1972), begann in Deutschland ein Medizinstudium, welches sie während des ersten Weltkrieges abbrach und nach Russland reiste. Von dort kehrte sie 1915 nach Schweden zurück. Sein Vater, Gunnar Palme (1886–1934), war Versicherungsdirektor und arbeitete im Unternehmen seines Vaters. Er heiratete Elisabeth von Knieriem 1916. Die Weltoffenheit seiner Familie prägte ihn in seinen Kinderjahren und zog sich auch durch seine politische Laufbahn.

Schulische Laufbahn und Ausbildung

Dank seiner Eltern konnte der junge Olof Palme die Privatschule Beskowska besuchen, welche 1867 vom Theologen und Politiker Gustaf Emanuel Beskow gegründet wurde. Hier lernte er bereits die Fremdsprachen Deutsch und Französisch. Anschließend wechselte er auf das Eliteinternat von Sigtuna sowie die Militärakademie Schwedens. Nach seinem Militärdienst als Leutnant bei der Kavallerie begann er unbezahlt bei der Zeitung Svenska Dagbladet zu schreiben. Nach kurzer Zeit erhielt er ein Stipendium der America-Scandinavian Foundation für das Kenyon College in Gamier (USA).

In den USA lernte Palme unter anderem Paul Newman, William Bulger und Henry Abraham, zwischen denen sich eine lebenslange Freundschaft bildete. Außerdem besuchte Palme in seiner Freizeit etliche Fabriken und machte sich auf diese Weise mit der Gewerkschaftsbewegung vertraut. Aufgrund seiner Leistung und seines Einsatzes erhielt er bereits nach. nur einem Studienjahr den Bachelor of Arts mit einer Arbeit über den Freiheitsbegriff in Friedrich August von Hayeks Der Weg zur Knechtschaft. Im Anschluss verlängerte er seinen Aufenthalt in den USA und bereiste insgesamt 34 Bundesstaaten per Anhalter. Später gab er an, dass er auf dieser Reise ein Gefühl für die soziale Ungleichheit bekam.

Nach seiner Rückkehr nach Schweden begann Palme im Herbst 1948 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Stockholm. Außerdem trat er dem Sozialdemokratischen Studentenverein bei. 1952/53 war er zudem Vorsitzender der Schwedischen Hochschülerschaft. SeinStudium beendete Olof Palme mit dem Bachelor of Laws.

Olof Palme in der Politik

1953 wurde Olof Palme Sekretär von Ministerpräsident Tage Erlander. In den folgenden Jahren arbeiteten beide recht eng zusammen, Palme wurde die Rechte Hand des Ministerpäsidenten. Beide verfolgten das Ziel, die sozialen und politischen Gesellschaftsstruktur in Schweden zu modernisieren. Dies stieß jedoch vor allem in den konservativen Kreisen auf Argwohn und Missbilligung. Dennoch wurde er 1955 zum Vorstand des sozialdemokratischen Jugendverbandes gewählt, 1958 zog er in die erste Kammer des Parlaments ein. 1965 wurde Palme dann Verkehrs- sowie 1967 Bildungsminister. Hier reformierte er das Bildungssystem, um eine größere Chancengleichheit zu erzielen.

Im Oktober 1969 trat der Ministerpräsident Tage Erlander zurück und Olof Palme wurde Parteivorsitzender der schwedischen Sozialdemokraten und wurde Ministerpräsident. Hier setzte er die Politik seines Vorgängers fort und baute den Wohlfahrtsstaat auf. Dazu brachte er zahlreiche Reformen auf den Weg, zum Beispiel in der Familien-, Bildungs- sowie Wirtschaftspolitik. Dafür wurde er teilweise scharf kritisiert und angefeindet.

Die von Palme verfolgten und herbeigeführten Umbrüche in der Gesellschaft erschwerten die politische Arbeit in den folgenden Jahren immer mehr. Themen wie mehr Mitbestimmung, eine breitere Demokratie und gewerkschaftliche Forderungen in Kombination mit der Ölkrise 1973 überschatteten seine Amtszeit. Dies führte schlussendlich 1976 dazu, dass bei der Reichstagswahl die Sozialdemokraten „lediglich“ 42,7 Prozent der Stimmen bekamen – das bis dahin schlechteste Ergebnis seit seit 1932. Es folgte ein Regierungskoalition aus bürgerlichen Parteien.

Nach der Wahl 1982 kehrte Palme an die Macht zurück und wurde erneut Ministerpräsident.

Auch außenpolitisch engagierte sich Olof Palme stark. So setzte er sich stets für Frieden, Verständigung und auch Abrüstung ein. So demonstrierte er zum Beispiel 1968 gemeinsam mit dem nordvietnamesischen Botschafter gegen den Vietnamkrieg in Moskau. Außerdem führte er von 1980 bis 1982 die Palme-Kommission, die sich für Abrüstung und gemeinsame Sicherheit einsetzte. Diese Arbeiten führten auch dazu, dass er engen Kontakt zu europäischen Politikern hatte, insbesondere zu Willy Brandt und Bruno Kreisky.

Attentat auf Olof Palme

Am Abend des 28. Februar 1986 besuchte Olof Palme mit seiner Frau Lisbeth das Kino Grand in Stockholm. Er hatte keinen Polizeischutz oder Eskorte dabei, da dies zu dieser Zeit in Schweden selbst für ranghohe Politiker unüblich war. Auf dem Rückweg gegen 23:21 Uhr wurde an der Ecke Sveavägen/Tunnelgatan auf ihn und seine Frau aus nächster Nähe geschossen. Während Lisbeth das Attentat leicht verletzt überlebte, verstarb Olof Palme laut Gerichtsmedizin innerhalb weniger Sekunden.

Eine Gedenktafel erinnert am Tatort an die Ermordung.

Die Ermordung Palmes löste in vielen Ländern Bedauern und Trauer aus. Willy Brandt sagte zum Beispiel in einer Gedenkrede, dass die Gemeinschaft der demokratischen Sozialisten und Sozialistinnen einen guten Freund verloren habe, einen nimmermüden und höchst anregenden politischen Menschen, einen überragenden Genossen im Kampf um die Sicherung des Friedens, die Erweiterung der Möglichkeirten, unter denen die sozialen und individuellen Menshenrechte gedeihen können und um die Gewährung von mehr Gerechtigkeit, auch für jene Millionen Mitmenschen, die nicht genug zu essen haben in einer Welt, die alle ernähren könnte, wenn sie besser organisiert wäre.

Die Suche nach Palmes Mörder

Direkt nach dem Mord wurden die ersten Ermittlungen eingeleitet, welche rückblickend von Chaos geprägt waren. So galten unter anderem Tatortabsicherungen, die Spurensicherung und auch die Befragung von Zeugen als unzureichend. Gleichzeitig wurde in verschiedene Richtungen ermittelt. In Betracht gezogen wurden ein politisches Motiv, die Intervention von ausländischen Geheimdiensten und auch Einzeltäter kamen in Frage.

Ende der 1980er Jahre geriet Christer Pettersson in das Visier der Ermittler. Er wurde 1989 verurteilt, allerdings gab es keine eindeutigen forensischen Beweise und die Identifizierung durch Zeugen galt als umtritten. Als Resultat wurde er in zweiter Instanz wieder freigelassen und erhielt 300.000 schwedische Kronen als Haftentschädigung.

In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Hypothesen bzw. Theorien. Beispiele hierfür ist die Beteiligung der PKK, Südafrikanische Geheimdienste, rechtsextreme Netzwerke in Schweden sowie Verschwörungstheorien rund um Polizei und Milität. Allerdings konnte keine danhingehenden Spuren eindeutig bewiesen werden. Als Folge darauf entwickelte sich das Thema zu einem nationalen Trauma.

Ab den 2000er Jahren wurden die Ermittlungen neu strukturiert. Moderne Methoden, erneute Zeugenbefragungen und die Aiswertung alter Beweise führten zu einem neuen Fokus, bei dem Stig Engström, bekannt als „Skandia-Mann“ in den Mittelpunkt. Er hatte sich selbst als Zeuge gemeldet, wurde aber später zunehmend als möglicher Täter betrachtet. Im Jahr 2020 erklärte die schwedische Staatsanwaltschaft den Fall offiziell für abgeschlossen. Sie benannte Stig Engström als wahrscheinlichsten Täter. Da Engström jedoch bereits 2000 verstorben ist, kam es nie zu einem Gerichtsverfahren.

Die Ermordung Palmes war ein Schock für Schweden. Sie erschütterte das Vertrauen in die Sicherheit und das Selbstbild des Landes als offene Gesellschaft. Das ungelöste (bzw. erst spät teilweise aufgeklärte) Verbrechen führte außerdem zu langanhaltenden Debatten über Polizei, Geheimdienste und Verschwörungstheorien.

Nachwirkungen seiner Politik

Die politischen Nachwirkungen von Olog Palme sind teilweise bis heute spürbar und haben die Politik geprägt – sowohl in Schweden als auch international.Unter Olof Palme ist Schweden zu einer maralischen Großmacht aufgestiegen und hat den schwedischen Sozialstaat gestärkt, sodass dieser für viele Nationen noch heute in Vorbild ist. Zwar veränderte sich die schwedische Sozialdemokratie in den Jahrzehnten nach Palmes Tod in Richtung marktwirtschaftlicher Reformen, blieb aber stark von Palmes Ideen zu Gleichheit und internationaler Solidarität geprägt.

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