Schweden ist für vieles bekannt: IKEA, Köttbullar, rote Häuschen, Wald, Seen und Michel aus Lönneberga sind sicherlich nur einige wenige Punkte. Wofür Schweden allerdings nicht bekannt ist: Ein Steuerparadies zu sein. Und das ist es auch bei weitem nicht. Doch wie funktionieren die Steuern in Schweden? welche gibt es und warum sind diese im Allgemeinen in Schweden akzeptiert? Das wollen wir in diesen Beitrag klären.

In Schweden gibt es mehrere Arten von Steuern, für dessen Erhebung die schwedische Finanzbehörde, das Skatteverket, zuständig ist. Dazu zählen unter anderem die Mehrwertsteuer, Einkommenssteuern sowie soziale Abgaben. Die Höhe der Abgaben wird dabei von den Reichstags- Kommunal- und Landtagspolitikern beschlossen. Unterstellt ist das Skatteverket der Regierung, ist aber eine eigenständige Behörde.

Einkommensteuer

Die Einkommensteuer funktioniert in Schweden anders als in Deutschland und besteht aus zwei Teilen: Einem regionalen bzw. kommunalen Teil sowie einem staatlichen Teil. Bei einem Einkommen bis 614.000 SEK pro Jahr wird lediglich der erste Teil der Steuer fällig. Da allerdings die Kommunen und Regionen die Steuersätze selber festlegen können, gibt es keinen einheitlichen Steuersatz. Doroteas kommun hat 2026 mit 35,65 Prozent mit den höchsten Steuersatz in Schweden, der schwedische Durchschnitt liegt bei ca. 32 Prozent. Am niedrigsten ist sie in Österåker, hier beträgt die Kommunalsteuer 28,93 Prozent. Diese Steuer geht direkt an die Kommunen, wird aber vom Skatteverket eingezogen. Mit dieser Steuer werden zum Beispiel Schulen, Bibliotheken und Pflegeheime finanziert.

Wer mehr als 614.000 SEK pro Jahr verdient, zahlt auf den übersteigenden Betrag eine nationale Steuer von 20 Prozent. Dieser Betrag geht direkt an den Staat, der damit wiederum die regionales Ausgleichzahlungen finanziert.

Bei der Einkommensteuer gibt es einen Grundfreibetrag (grundavdrag), der bei 20.200 SEK liegt. Allerdings gibt es wie so oft Ausnahmen: Bei einem Jahreseinkommen zwischen 128.700 SEK und 147.300 SEK liegt der Grundfreibetrag bei 36,500 SEK. Liegt das Einkommen bei über 372.400 SEK, sinkt der Freibetrag auf 13.900 SEK.

Mehrwertsteuer & Verbrauchsteuern

Die Mehrwertsteuer (schwedisch: Moms) beträgt 25 Prozent. Allerdings gibt es einen reduzierten Steuersatz in Höhe von 12 Prozent für Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke, Hotelbeherbergungen sowie Restaurantbesuche. Bei Zeitungen, Büchern, Zeitschriften, kulturelle Veranstaltungen sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen werden sechs Prozent fällig. Von der Mehrwertsteuer befreit sind unter anderem Arzneimittel, soziale- und medizinische Dienstleistungen sowie Finanz- und Versicherungsleistungen.

Mit 25 Prozent ist der Mehrwertsteuersatz in Schweden recht hoch. Lediglich Ungarn hat mit 27 Prozent einen noch höheren Steuersatz. Der durchschnittliche Mehrwertsteuersatz der Europäischen Union beträgt 21,6 Prozent.

Neben der Mehrwertsteuer gibt es auch weitere Verbrauchsteuern. So fallen zusätzliche Steuern auf Alkohol, Tabakwahren, Energie sowie Fahrzeuge an.

Kapitalertragsteuer

In Schweden fällt die Kapitalertragsteuer (kapitalinkomstskatt) auf Dividenden, Zinseinkünfte und Kapitalgewinne an. Der Steuersatz hierfür beträgt 30 Prozent, allerdings gibt es Ausnahmen, sodass der tatsächliche Regelsatz variieren kann. Je nach Fall kann die tatsächliche Steuer zwischen 20 und ca. 55 Prozent variieren.

Auch beim Verkauf von Immobilien fallen Steuern an. Werden Wohnimmobilien verkauft, fallen Steuern auf 22/30 des Gewinns an. Bei gewerblichen Immobilien sind 10 Prozent des Gewinns steuerfrei. Bis zu einem gewissen Grad können diese Steuern jedoch gestundet werden, um den Erwerb einer neuen Immobilie zu erleichtern.

Körperschaftssteuer

In Schweden fallen für Körperschaften auf weltweit erwirtschaftete Erträge Steuern in Höhe von 20,6 Prozent Steuern an. Diese geht dabei direkt an den Staat. Eine mit Deutschland vergleichbare Gewerbesteuer, die an die Kommune geht, gibt es in Schweden nicht.

Bei Personengesellschaften (Handelsbolag) fallen keine Körperschaftssteuern an. Stattdessen wird der Gewinn über die Einkommensteuer der Gesellschafter versteuert. Diese Rechtsform ist vor allem für kleine Unternehmen inetressant, weil kein Mindeskapital benötigt wird. Statdessen haften die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen.

Diese Steuern gibt es nicht

Bis 2004 gab es in Schweden eine Schenkungs- und Erbschaftssteuer. Diese richtete sich nach dem Verwandtschaftsgrad und betrug bis zu 30 Prozent. Dann setzte sich die Auffassung durch, dass die Erhebung von Erbschafts- und Schenkungssteuer nicht der allgemeinen Gerechtigkeit diene. Außerdem erschweren diese Steuern den Generationenwechsel. Alle Parteien stimmten schließlich für die Abschaffung.

Auch eine Vermögenssteuer gibt es in Schweden nicht (mehr). Diese wurde zum 01. Januar 2007 abgeschafft. Die Regierung wollte verhindern, dass Vermögen, Know-How und ganze Firmen in das Ausland abwandern.

Auch gibt es keine spezifischen Steuern wie zum Beispiel eine Kaffee- oder Sektsteuer.

Steuern in Schweden allgemein akzeptiert

Auf den ersten Blick mag die Steuerlast in Schweden recht hoch zu sein. Dennoch sind diese meistens akzeptiert. Das liegt hauptsächlich daran, dass relativ viel über die Steuern finanziert wird und die meisten Einwohner auch relativ viel über die diversen Einrichtungen wieder zurück bekommen. Beispiele hierfür sind der kostenlose Schülertransport, die kostenlose Mittagsverpflegung in den Schulen, das Gesundheitssystem sowie die Pflegeeinrichtungen. Außerdem macht einem das Skatteverket die Zahlung von Steuern einfach, alles ist transparent und Steuererklärungen werden vom Skatteverket bereits vorausgefüllt versendet, welches in der Regel nur noch bestätigt werden müssen.

Written by
Werbung

Keine Kommentare

Kommentar hinterlassen