So funktioniert die Reichstagswahl in Schweden

Am 13. September 2026 findet die nächste Reichstagswahl in Schweden statt. Dabei wählen alle wahlberechtigten Einwohner den Schwedischen Reichstag (Sveriges riksdag), das schwedische Parlament. Wahlberechtigt und wählbar sind dabei schwedische Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr am Wahltag vollendet haben. Seit 2014 findet die Wahl stets am zweiten Sonntag im September statt und die Wahlbeteiligung ist traditionell relativ hoch.

Die Wahl selber findet, ähnlich wie in Deutschland, in Wahllokalen statt, die in der Regel zwischen 08:00 und 20:00 Uhr geöffnet sind. In welchem Wahllokal man wählen muss, steht auf der amtlichen Wahlbenachrichtigung (röstkort), die vor der Wahl verschickt wird. In der Wahlkabine wird dann der Stimmzettel ausgefüllt, hier kann man entweder die Partei (Gesamtliste) wählen oder einer bestimmten Person Vorzugsstimmen (kryssmarkering) geben. Allerdings hat der Wähler nur eine einzige Stimme und kann diese nicht aufteilen.

Kann jemand nicht persönlich zur Wahl gehen, weil er zum Beispiel inhaftiert ist oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht schafft, kann ein Bevollmächtigter die Stimme abgeben (bud) oder Wahlhelfer kommen direkt nach Hause (ambulerande röstmottagning).

Anders als in Deutschland gibt es in Schweden die Vorabstimmung (förtidsröstning). Diese startet 18 Tage vor dem eigentlichen Wahltag und ermöglicht die Wahl in speziellen Vorabstimmungslokalen (z. B. Bibliotheken, Bürgerbüros, teils auch Bahnhöfen oder Einkaufszentren) im ganzen Land, unabhängig vom eigenen Wahlkreis. Die Vorabstimmung ist in Schweden äußerst beliebt und im Schnitt geben rund ein Drittel ihre Stimme vorab ab.

Doppelte Auszählung

Um Vertrauen zu schaffen und ein wirklich korrektes Ergebnis zu erzielen, werden die Stimmzettel in Schweden zwei mal ausgezählt (rösträkning). Die erste Auszählung ist eine vorläufige und findet direkt nach Schließung der Wahllokale am Abend der Wahl in den jeweiligen Wahllokalen statt und ist öffentlich. Das Ergebnis dieser ersten Auszählung ist dann das vorläufige Ergebnis. Im Anschluss werden die Stimmen von der zentralen Wahlbehörde (Valmyndigheten) erneut ausgezählt, ebenfalls öffentlich. Dabei werden dann auch die Stimmen der Briefwähler sowie der im Ausland lebenden Schweden mit ausgezählt. Daher kann es passieren, dass es noch zu einer Abweichung kommt bzw. plötzlich eine andere Partei die Mehrheit holt.

Wahkreise und Sitzverteilung für die Reichstagswahl in Schweden

Schweden ist insgesamt in 29 Wahlkreise aufgeteilt (Stockholms kommun (Stadt Stockholm), Stockholms län, Uppsala län, Södermanlands län, Östergötlands län, Jönköpings län, Kronobergs län, Kalmar län, Gotlands län, Blekinge län, Skåne läns västra, Skåne läns södra, Skåne läns norra och östra, Skåne läns mellersta, Hallands län, Göteborgs kommun (Stadt Göteborg), Västra Götalands läns västra, Västra Götalands läns norra, Västra Götalands läns södra, Västra Götalands läns östra, Värmlands län, Örebro län, Västmanlands län, Dalarnas län, Gävleborgs län, Västernorrlands län, Jämtlands län, Västerbottens län sowie Norrbottens län). Auf diese Wahlkreise werden 310 Sitze fest verteilt, basierend auf der Bevölkerungszahl. Hinzu kommen 39 Ausgleichsmandate (utjämningsmandat), welche dafür sorgen, dass das Gesamtergebnis im ganzen Land möglichst proportional zur Stimmenverteilung der Parteien ausfällt.

Nach der Wahl werden die Sitze nach der modifizierten Sainte-Laguë-Methode verteilt, einem mathematischen Verfahren, bei dem die Stimmenzahlen durch eine Reihe von Divisoren (1,4; 3; 5; 7 usw.) geteilt werden, um die Sitze möglichst proportional zuzuteilen. Damit eine Partei allerdings überhaupt in das Parlament einziehen kann, braucht sie landesweit vier Prozent der Stimmen oder in einem der 29 Wahlkreise mindestens zwölf Prozent der Stimmen.

Nach der Reichstagswahl

Steht das Ergebnis der Reichstagswahl in Schweden fest, führt der Reichstagspräsident (Talman) Gespräche mit den Vorsitzenden der in den Reichstag gewählten Parteien. Ziel ist es auszuloten, wer eine Regierung bilden könnte und welche Konstellationen mehrheitsfähig wären (talmansrunda). Basierend auf diesen Gesprächen schlägt der Talman anschließend dem Reichstag einen Ministerpräsidentenkandidaten vor. Der vorgeschlagene Kandidat gilt als gewählt, solange keine absolute Mehrheit gegen ihn stimmt. Somit wird letztendlich eine Enthaltung als Zustimmung gewertet (negativer Parlamentatismus). Das hat den Vorteil, dass eine Regierung im Amt bleibt, solange sie toleriert wird und vereinfacht Minderheitsregierungen.

Gelingt es dem vorgeschlagenen Kandidaten nicht eine Mehrheit gegen sich zu verhindert, führt der Talman erneut Gespräche und schlägt einen anderen Kandidaten vor. Wird nach dem vierten Versuch erneut gegen einen Kandidaten gestimmt, muss eine Neuwahl ausgeschrieben werden. Das ist jedoch seit Inkrafttreten dieser Regelung 1975 noch nie der Fall gewesen.

Hat ein Kandidat keine Mehrheit gegen sich, stellt er sein Kabinett zusammen und tritt dann vor den Monarchen, um die Arbeit aufzunehmen. Das ist jedoch ein rein zeremonieller Akt. An diesem Regierungswechsel (Regeringsskifteskonselj) nimmt der König, die Kronprinzessin (als Thronfolgerin), der Talman sowie die neue Regierung teil.

Regierungswechsel in Schweden. Foto: Ingemar Lindewall/The Royal Court of Sweden
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