Wenn man auf Youtube, Instagram und Facebook unterwegs ist könnte der Eindruck entstehen, es gäbe einen neuen Trend: Auswandern nach Schweden. So gibt es auf Youtube etliche Kanäle, die von ihrer Auswanderung sowie dem Leben in Schweden berichten, bei die größeren unter ihnen weit über 100.000 Abonnenten haben, wie zum Beispiel Oskar the Explorer.1 Hinzu kommen viele kleinere und aufstrebende Kanäle, von denen Frost Family Farm, Project Cabin oder Nordlys Tales nur eine kleine Auswahl sind. Doch ist das wirklich ein Trend? Und wie viele Wandern tatsächlich aus?
Viele Deutsche haben von Schweden ein bestimmtes Bild: Rote Holzhäuschen am See, Wälder, endlose Straßen, verschneite Winter, Gemütlichkeit und das Midsommar-Fest. Dieses Bild wurde vor allem von Astrid Lindgren mit ihren Geschichten geprägt und die Sehnsucht nach Schweden hat sogar einen eigenen Begriff: Bullerbü-Syndrom.2 Aus diesem Grund wundert es nicht, dass viele mit den Gedanken spielen, auszuwandern.
Auswandern nach Schweden: Das sind die Gründe
Die Gründe warum Personen nach Schweden auswandern sind vielfältig. Das können unter anderem private, wirtschaftliche oder familiäre Gründe sein. Besondern betonen Auswanderer häufig, dass sie eine bessere Lebensqualität sowie eine Work-Life-Balance in Schweden erwarten. Für Familien ist oftmals auch das scheinbar bessere Sozialsystem ein Grund für die Auswanderung: Großzügige Elternauszeiten, gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, die Krankenversorgung sowie die lagom-Philosopie.
Auch wirtschaftlich ist Schweden für Auswanderer interessant. Einerseits gibt es starke und führende Unternehmen wie IKEA, Volvo, Spotify oder Atlas Copco, andererseits werden in Schweden auch Handwerker und Mediziner bzw. Pflegepersonal gesucht.
So viele wandern wirklich nach Schweden aus
Wie viele Personen jährlich nach Schweden auswandern, lässt sich anhand der nachfolgenden Grafik ablesen:
Die Zahlen von 2020, 2023 sowie 2024 sind offizielle Zahlen von SCB. Bei den restlichen Zahlen handelt es sich um eine Schätzung, die von der offiziellen SCB-10-Jahres-Statistik abgeleitet ist.
Vergleicht man jetzt die Zahlen mit der Anzahl der insgesamt ausgewanderten Personen, so lässt sich erkennen: Nach Schweden wandert tatsächlich nur ein kleiner Teil aller Auswanderer aus.3 Dabei ist bleibt die Anzahl der nach Schweden auswandernden Personen in etwa konstant, während die Gesamtanzahl an Auswanderern zunimmt. Prozentual nimmt also die Anzahl der Auswanderer nach Schweden ab.
Nicht alle bleiben in Schweden
Zur Wahrheit gehört auch, dass nicht jeder Auswanderer auch wirklich endgültig ausgewandert ist bzw. nicht wieder nach Deutschland zurück kehrt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Mit der Arbeitsstelle hat es nicht gekappt, es wurde kein Anschluss gefunden, die Kinder kommen mit der fremden Sprache nicht zurecht oder das Heimweh ist schlichtweg zu groß. Die aktuellen Zahlen gehen davon aus, dass etwa 50 Prozent der ausgewanderten zurückkehren. So sind 1.187 von den 2.478 2024 nach Schweden ausgewanderten Personen wieder nach Deutschland zurückgekehrt.4