Günstige Immobilien in Schweden immer seltener

In Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum hält sich hartnäckig die Meinung, dass es viele günstige Immobilien in Schweden gibt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass laut SCB (Statistiska centralbyrån) rund 12.000 aller rund 628.000 Freizeithäuser in Schweden im Besitz von Deutschen sind1, was rund 1,8 Prozent entspricht. Doch ist dem wirklich so bzw. sind die (Ferien)-Häuser in Schwen wirklich so günstig?

Tatsächlich waren vor Jahren die Immobilienpreise in Schweden wesentlich günstiger als jetzt und im Vergleich zu Deutschland gab es einen meilenweiten unterschied. So konnte man sich für einige zehntausend Euro ein gemütliches, kleines Ferienhaus leisten. Doch in den letzten Jahren sind die Immobilienpreise auch in Schweden deutlich gestiegen und die Chance, ein wirklich günstiges Haus zu finden deutlich gesunken.

Immobilienpreise sind kräftig gestiegen

Wie stark die Immobilienpreise in Schweden gestiegen sind, zeigt sich anhand des House Price Index (HPI), der seit 1981 von 100 auf 948 in 2025 gestiegen ist.2 Im Vergleich zu Deutschland sind die Immobilienpreise prozentual deutlich stärker gestiegen.

Hinweis: Die Zahlen von Deutschland sind in den Jahren vor 2000 ungenau, da der offizielle Hauspreisindex des Statistischen Bundesamtes erst später beginnt.

Gründe sind vielfältig

Die Immobilienpreise in Schweden steigen nicht aus einem einzigen Grund – sondern durch ein Zusammenspiel mehrerer wirtschaftlicher, politischer und struktureller Faktoren. Die wohl wichtigsten Gründe sind dabei folgende:

  • Knapper Wohnraum: Auch in Schweden wird der Wohnraum knapp. Besonders durch die Zuwanderungen in den letzten Jahrzehnten. Gerade in den schwedischen Großstädten Stockholm, Göteborg und Malmö wird der Wohnraum immer Knapper.
  • Freizügigkeit der EU: Aufgrund der Freizügigkeitsregelung der EU ist es jedem EU-Bürger erlaubt, in Schweden Immobilien zu erwerben und zu besitzen. Infolge dessen haben besonders aus Deutschland und den Niederlanden viele Freizeithäuser in Schweden erworben. Aber auch viele Norweger besitzen ein Ferienhaus in Schweden.
  • Corona-Pandemie: Auch in Schweden haben viele während der Corona-Pandemie gemerkt, welche Vorteile ein kleines Häuschen abseits der Menschenmengen haben kann. Das hat den Boom am Immobilienmarkt verstärkt.
  • Günstige Zinsen: Zwischenzeitlich gab es besonders günstige Zinsen (wie auch in Deutschland), was den Besitz einer (Ferien- oder Zweit-) Immobilie vereinfachte und erschwinglicher machte. Besonders in den letzten Jahren sind die Zinsen wieder gesunken.3
  • Hohe Baukosten: Ein wichtiger Faktor sind die hohen Baukosten in Schweden, insbesondere in Kombination mit wenig Wettbewerb im Bausektor.4
  • Inflation: Der Vollständigkeit halber gehört die Inflation hier ebenfalls aufgeführt.

Günstige Immobilien in Schweden besonders im Norden

Natürlich gibt es sie noch, die (gemessen an der Lage und am Zustand des Hauses) günstigen Häuser in Schweden. Aber: Man muss sie suchen. Dabei kann man ganz grob sagen: Je weiter nördlicher man schaut, desto günstiger werden die Immobilien (Ballungszentren und größere Orte ausgenommen). Außerdem kann es entscheidend sein, auf welchen Plattformen man nach Immobilien schaut: Während die großen und bekannten Makler auf Plattformen wie Hemnet oder Booli inserieren, gibt es auch viele Angebote auf spezialisierten Facebook-Gruppen. Einige Beispiele hierfür wären die Gruppen Sweden Property For Sale, Immobilien in Schweden oder The secrets of cheap rural Swedish property.

Günstigere Erwerbsnebenkosten

Was in Schweden allerdings wesentlich günstige als in Deutschland ist, sind die Erwerbsnebenkosten. Während in Deutschland durchschnittlich 10-15 Prozent des Kaufpreises anfallen5 (Makler- und Notargebühren, Gerichtskosten, Grunderwerbsteuer), ist es in Schweden deutlich weniger. Da der Makler grundsätzlich vom Verkäufer bezahlt wird ein ein Notar nicht notwendig ist (übernimmt der Makler), fallen in Schweden lediglich die Stempelsteuer (Stämpelskatt) vom Lantmäateriet in Höhe von 825 SEK6 an sowie die Grundsteuer (fastighetsavgift). Diese beträgt in Schweden für Ein- und Zweifamilienhäuser 0,75 % des steuerlichen Einheitswerts (taxeringsvärde). Allerdings können, je nach Bank, noch Kosten für die Transaktion hinzukommen.

In Zukunft wieder günstige Immobilien in Schweden?

Den Markt vorherzusagen ist schwierig. Allerdings sieht es nicht danach aus, dass die Immobilienpreise in Schweden in den nächsten Jahren sinken werden: Die Nachfrage ist noch immer hoch, besonders aus dem Ausland. Hinzu kommen ein günstiger Leitzins sowie eine geringe Anzahl an neu gebauten Freizeithäusern.

Du willst auch ein Haus in Schweden kaufen: Dann haben wir hier, hier und hier einige Tipps für dich.

  1. https://www.scb.se/hitta-statistik/statistik-efter-amne/boende-bebyggelse-och-mark/bostader-och-boende/bostadsbestand/pong/statistiknyhet/utlandskt-agande-och-utlandssvenskars-agande-av-fritidshus-i-sverige-2024/ ↩︎
  2. https://www.scb.se/en/finding-statistics/statistics-by-subject-area/housing-construction-and-building/real-estate/real-estate-prices-and-registrations-of-title/pong/tables-and-graphs/real-estate-price-index/ ↩︎
  3. https://de.tradingeconomics.com/sweden/interest-rate ↩︎
  4. https://pub.nordregio.org/es-2021-1-housing-markets-and-housing-policy-in-the-nordics/#70369 ↩︎
  5. https://www.sparkasse.de/pk/ratgeber/wohnen/immobilie-erwerben/kaufnebenkosten.html?modernizationStep=%2F#nebenkosten-beim-immobilienkauf ↩︎
  6. https://www.lantmateriet.se/sv/fastighet-och-mark/kopa-aga-salja-eller-ge-bort/Stampelskatt-och-avgifter/ ↩︎

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